Das Glück

Es sitzt sich weich auf unserm Sofa.
Gemütlichkeit im ganzen Haus.
Geschmackvoll wählten wir die Bilder
zur Farbe der Gardinen aus.
Wir schließen nachts die Jalousien,
habn neue Schlösser in der Tür.
Das Glück soll sich doch sicher fühlen
als Dauermieter, dachten wir.
Da hat`s das Bündel schon geschnürt.
Ich glaub`, es wohnt nicht gern möbliert
und scheint die Sicherheit zu meiden.
Versprechen, die vergißt es prompt,
und daß es niemals pünktlich kommt
kann ich nicht leiden.

Ich hab` es tief als Kind geatmet
im Kirschenbaum zur Blütenzeit.
Da warfs mir seine Glückshaut über
grad wie ein Sternentalerkleid.
Ich traf es unter jungen Leuten,
wir feierten bei Kerzenschein.
Es war spontan, verrückt, bescheiden
und machte aus dem Wasser Wein.
Dann ging es fort und kam nicht mehr.
Ich hechelte ihm hinterher.
Doch ich war nie sehr gut im Rennen.
Einmal kam`s ungeheuer groß,
es trug ein Baby auf dem Schoß.
Da schossen uns vor Glück die Tränen.

Ich fand es mal beim Muschelsuchen.
Da gab`s mir sein Geheimnis preis:
``Du rennst mir nach, willst mich erzwingen.
Halt inne, schau und sei ganz leis.
Dann wirst du staunend mich entdecken.
dann hörst du meinen Glücksgesang.
Und ich kann dir aus vielen Blicken
entgegenschaun mein Leben lang.
Ich bin im Brotgeruch versteckt,
und wenn dich deine Liebste neckt
im Dunkeln, dann hörst du mich lachen.
Ich warte auf dich jetzt und hier,
und wenn du singst, bin ich bei dir,
dich froh zu machen!

Gerhard Schöne (Album: Die sieben Gaben, 1992)